Editionen

Pressestimmen

Münchner Merkur

3./4./5. April 2010

Das Buch der reichen Dame
Wie ein Faksimile entsteht – Der Goldene Münchner Psalter der Staatsbibliothek wird zugänglich gemacht

»Es ist der Traum jedes Wissenschaftlers und Bücherfreundes: Wenigstens ein einziges Mal im Leben möchte man eine Pergamenthandschrift aus dem Mittelalter mit Malereien auf Goldgrund, mit einem Umschlag aus Veloursleder und alten handgeschmiedeten Schlössern in den Händen halten und darin nach Herzenslust blättern dürfen. Das Faksimile (Lat.: facsimile! mach es ähnlich!) macht’s möglich. Einige wenige Verlage haben sich auf die Herstellung von originalgetreuen Repliken alter Bücher spezialisiert und stellen für ganz normale Kunden das her, was in alten Zeiten das Privileg der Oberschicht gewesen ist und heute in den Tresoren der großen Bibliotheken schlummert, unantastbar, mehrfach gesichert und höchstens einmal in zehn Jahren an einer einzigen Stelle aufgeschlagen im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit im Schaukasten zugänglich gemacht. Diese Verlage bieten berührbare und benutzbare Faksimiles mit der Aura des historischen Originals, die den aktuellen Erhaltungszustand des Museumsstücks eins zu eins wiedergeben.

Derzeit verfilmt der junge Luzerner Quaternio Verlag (gegründet 2009) für die Reproduktion eine der größten Kostbarkeiten in der Bayerischen Staatsbibliothek, den sogenannten Goldenen Münchner Psalter. (...) Entstanden ist die lateinischsprachige religiöse Handschrift im Umkreis des Skriptoriums Winchester (England) zwischen 1200 und 1220. Sie steht an der Schwelle zwischen Romanik und Gotik und lässt in ihren Illustrationen Einflüsse beider Stilrichtungen erkennen.

(...) Nun soll von diesem Schatz also das Faksimile gemacht werden. Der Herstellungsprozess dauert ungefähr ein Jahr und besteht aus einer langen Reihe von Arbeitsschritten.

(...) Dieses Faksimile gestaltet sich also als internationales Unternehmen: Das Original entstand ursprünglich in England und ist dann in Bayern gelandet. Der Quaternio Verlag sitzt in der Schweiz, von wo auch das Papier des Buches kommt. Die Goldfolie stammt aus Fürth, der Fotograf aus Graz, der Buchbinder aus Schärding (Österreich). Der Druck findet wiederum in Graz statt. Und der  Kommentar wurde von einem englischen Gelehrten verfasst, was den Kreis schließt.«

 

kompletter Artikel als pdf

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail