Editionen

Das Sobieski-Stundenbuch

Schmuckstück der königlichen Sammlung auf Schloss Windsor

Windsor Castle, The Royal Library


Großartige Buchkunst in 60 Miniaturen

Was für Gemälde! Welch ein Farbrausch! Was für großartige Kompositionen, die dem Bedford-Meister zugeschrieben werden! Buchmalerei, wie sie das Sobieski-Stundenbuch in 60 ganzseitigen Miniaturen mit über 400 Szenen bietet, macht vor Staunen sprachlos. Gleich den Tafelgemälden der Alten Meister zeigen sie eine unglaubliche Fülle an Details, die der Betrachter erst auf sich wirken lassen muss, um sie voll und ganz zu erfassen.

»Was für eine Ehre! Als erster Verlag weltweit darf der QUATERNIO VERLAG aus Luzern ein Buch aus der Sammlung der Queen reproduzieren. Nun liegt das erste Exemplar im Schloss Windsor.«

So titelt die Schweizer Illustrierte in Ihrem Beitrag vom 24. Februar 2017.

Komplette Reportage als pdf

 

Kongeniales Werk dreier Meister

Das Sobieski-Stundenbuch gehört zu den Glanzleistungen der Pariser Buchmalerei aus der späten Gotik. In den Jahren um 1430 haben einige der begabtesten Buchmaler, die im Stil des Bedford-Meisters arbeiteten, an der Vollendung der Handschrift mitgewirkt. Für mehr als ein Vierteljahrhundert war der Bedford-Meister einer der bedeutendsten Buchmaler überhaupt, und sein Stil wirkte schulbildend auf andere, die ihm nacheiferten. Wo der Meister die Miniaturen ihrer hohen Anzahl wegen im Sobieski-Stundenbuch nicht selbst ausführte, legte er sie doch zumindest an oder gab seinen Mitarbeitern genaue Instruktionen. Der Austausch mit anderen Ateliers war dabei nichts Ungewöhnliches. Der dem Bedford-Meister ebenbürtige Fastolf-Meister mit seinen Mitarbeitern sowie der Meister der Münchner Legenda aurea haben ebenfalls an der Ausstattung dieses Großauftrags mitgewirkt.

»Das Sobieski-Stundenbuch entführt den Betrachter mit seinen facettenreichen Bilderwelten wie kaum ein zweites Stundenbuch in die faszinierende Gedankenwelt des leuchtenden Mittelalters. Es ist eines der schönsten Stundenbücher überhaupt!«

Dr. Karl-Georg Pfändtner
Bayerische Staatsbibliothek München

 

Rätsel um den Auftraggeber – Kann das Geheimnis gelüftet werden ?

Für wen jedoch war dieses exklusive Stundenbuch ursprünglich bestimmt? Lange Zeit vermutete die Forschung Margarete von Burgund als Empfängerin der Handschrift, die älteste Schwester des Burgunderherzogs Philipps des Guten. War es ein Geschenk zu ihrer Hochzeit mit dem bretonischen Herzog Arthur de Richemont? Im Kommentar zur Faksimile-Edition wird die Bedford-Spezialistin Jenny Stratford ganz neue Erkenntnisse vorstellen, die erstmals Licht ins Dunkel bringen.

Im 17. Jahrhundert war das Sobieski-Stundenbuch das Prunkstück am polnischen Königshof Johanns III. Sobieski. Seine Enkelin Maria Clementina Sobieska heiratete 1719 James Francis Edward Stuart, den Sohn des 1688 abgesetzten Königs James II. Der jüngere Sohn des Paares, Henry Benedict Stuart, Kardinalherzog von York, vermachte die Handschrift vor seinem Tod 1807 dem englischen Kronprinzen George IV. Sein Bruder, der spätere König William IV., ließ die Räume für die Einrichtung der Royal Library in Windsor umbauen. Seitdem ist das Sobieski-Stundenbuch das Glanzstück in diesen Sälen.

 

Über 400 Bildszenen – über 400 Kunst werke aus der Hochblüte der Gotik

Ein so monumentales Werk wie das Sobieski-Stundenbuch hätte ein einzelner Buchmaler kaum ohne Unterstützung schaffen können. Ähnlich wie das Stundenbuch Les Très Riches Heures ein Gemeinschaftswerk berühmter Buchmaler über mehrere Jahrzehnte war, so ist auch das Sobieski-Stundenbuch von den führenden Meistern ihrer Zeit über einen längeren Zeitraum hinweg geschaffen worden.

Federführend in der Gesamtkonzeption und Ausführung wirkte der Bedford-Meister. Er stand einer florierenden Werkstatt vor, die als das berühmteste Buchmaleratelier im Paris der Jahre um 1420/1430 galt. Der von ihm gepflegte Stil wirkte vorbildlich für die Zeitgenossen und für alle an der Ausstattung beteiligten Buchmaler. Der weiche Faltenwurf der Gewänder und die feinen Gesichter mit ihrem individuellen Mienenspiel sind charakteristisch für die mehr als 400 Einzelszenen in den 60 Miniaturen des Sobieski-Stundenbuchs.

Der zweite prominente Künstler ist der Fastolf-Meister, der ein Atelier in Rouen führte. Er hat die Vorgaben des Bedford-Meisters genau umgesetzt oder sich mit eigenen Kompositionen am Vorbild des Bedford-Meisters orientiert.

Auch der Meister der Münchner Legenda aurea hat eine ganze Serie von Miniaturen geschaffen. Sie folgen in der Anlage denen des Bedford-Meisters, sind aber in dem ihm eigenen markanten Stil kraftvoll ausgeführt.

 

Überschwengliche Erzählfreude in genialen Bild-Kompositionen

Der besondere Reiz der Bild-Kompositionen des Bedford-Meisters liegt zum einen in der überbordenden Erzählfreude, zum anderen in der genialen Weise, in der er die Szenenfülle so organisiert, dass die Miniaturen ein harmonisches Ganzes ergeben, das das Auge erfreut. Zur größeren Abwechslung hat er zwei Arten von Kompositionen geschaffen: zum einen das Überblicksbild, in dem alle Szenen in einem einheitlichen Bildraum spielen. Dieser kommt als gewaltiges Landschaftspanorama oder als Phantasiearchitektur daher, in der sich überall perspektivisch gestaltete Loggien und Gemächer auftun. Zum anderen gibt es Parzellenbilder, in denen auch eine fortlaufende Geschichte erzählt wird, die Szenen verteilen sich aber auf sechs oder neun Einzelbilder und sind durch eine goldene Umrahmung klar voneinander getrennt.

 

Kostbare Farben, Gold und Silber

Alle Maler schwelgen in kostbaren Farben: mit leuchtendem Blau und Mennige werden geschickt Akzente auf den Seiten gesetzt, harmonisch gesellen sich unterschiedliche Grüntöne dazu sowie warme Braun- und Grautöne. Glänzendes Gold in den Heiligenscheinen, Rahmen, Initialen und Bordüren funkelt auf allen Seiten, und auch Silber findet sich in zahlreichen Miniaturen.

 

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Das Sobieski-Stundenbuch

Das Sobieski-Stundenbuch

Das Sobieski-Stundenbuch

Das Sobieski-Stundenbuch im Überblick

London, Windsor Castle, The Royal Library

Entstehungszeit: um 1430
Entstehungsort: Paris
Format: ca. 27,5 × 18,5 cm
Umfang: 468 Seiten (234 Blatt)
Inhalt: Stundenbuch
Sprache: Latein, Französisch
Künstler: Bedford-Meister sowie Fastolf-Meister und der Meister der Münchner Legenda Aurea


Provenienz: Als Empfängerin der Handschrift wurde lange Zeit Margarete von Burgund, die älteste Schwester des Burgunderherzogs Philipps des Guten, vermutet. ­Im Kommentar zur Faksimile-Edition werden hierzu neue Erkenntnisse vorgestellt, die erstmals Licht ins Dunkel bringen. Im 17. Jahrhundert war das Sobieski-Stundenbuch am polnischen Königshof Johanns III. Sobieski. Seine Enkelin Maria Clementina Sobieska heiratete 1719 James Francis Edward ­Stuart, den Sohn des 1688 abgesetzten Königs James II. Der jüngere Sohn des Paares, Henry Benedict ­Stuart, Kardinalherzog von York, vermachte die Handschrift vor seinem Tod 1807 dem englischen Kronprinzen ­George IV. Seitdem ist das Sobieski-Stundenbuch eines der Glanzstücke der Royal Library auf Schloss Windsor.


Die Faksimile-Edition des Sobieski-Stundenbuchs erscheint im Winter 2016/17 im Quaternio Verlag Luzern.