Faksimile Editionen

Das Passauer Evangelistar

Romanische Buchkunst in Gold und Silber

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16002

Aus der berühmten Dreiflüssestadt Passau stammt eine besonders schöne romanische Bilderhandschrift aus dem süddeutschen Raum: das um 1170–1180 im Augustiner Chorherrenstift St. Nikola entstandene Passauer Evangelistar. Golden und silbern funkeln Miniaturen und Initialen zum Schmuck der Evangelienlesungen. Die Lesungen zu den höchsten kirchlichen Festtagen sind darin zusammengestellt und von zwei Buchmalern auf das Prächtigste ausgeschmückt: auf 44 Blatt im Format von ca. 32,5 × 22,5 cm erfreuen 49 große Zierinitialen und 8 ganzseitige Miniaturen den Betrachter. Was den Chorherren in romanischer und späterer Zeit zur Verherrlichung Gottes und zur Meditation diente, bewundern wir heute als authentisches Zeugnis der Kunstfertigkeit und Glaubenstiefe einer vergangenen Epoche.

 

Die magische Kraft der Bilder

Egal ob Miniatur oder historisierte Initiale, auf beinahe jedem Blatt des Passauer Evangelistars laden Bilder von unerhörter Farbintensität und strahlendem Goldglanz den Betrachter ein zur Versenkung in die biblischen Erzählungen. Die 49 goldenen Zierinitialen auf farbigem Grund sind reich und phantasievoll mit silbernen Tieren und Blüten, Figuren und farbigen Ranken geschmückt. Die Initialen sind voller Leben und wirken oft wie eigenständige Miniaturen.

 

Beinahe das einzige Zeugnis einer reichen Buchmalertradition – zum ersten Mal zugänglich

Im 12. Jahrhundert entstanden in den Passauer Skriptorien kostbare Handschriften, die von weltlichen und geistlichen Fürsten hochgeschätzt wurden. Doch haben Brände und Erdbeben diese reiche Handschriftenüberlieferung fast zur Gänze ausgelöscht. Umso unschätzbarer ist der Wert des Passauer Evangelistars, da es heute beinahe das einzige erhaltene Zeugnis für die künstlerisch hochstehende und eigenständige Passauer Buchmalerei aus der Zeit der Romanik ist. Mit dieser Faksimile-Edition tauchen Sie ein in die faszinierende Epoche der Romanik und entdecken einen echten Schatz, der erst jetzt ins Bewusstsein der Handschriftenliebhaber und Wissenschaftler tritt!

 

Byzantinische Einflüsse in den Miniaturen auf meisterhafte Weise umgesetzt

Das Passauer Evangelistar ist das kongeniale Werk zweier Buchmaler, die lagenweise Miniaturen und Initialen geschaffen haben. Sie sind benannt nach den Sujets ihrer Hauptminiaturen, »Petrus-Meister« und »Ecclesia-Meister«. Über Salzburg wurden byzantinische Stilelemente in den süddeutschen Raum vermittelt, die auch im Passauer Evangelistar ihren Niederschlag gefunden haben. Dazu zählen die großflächigen Goldgründe und die Gestaltung der Gesichter und des Inkarnats. So entsprechen die langen gebogenen Nasen mit den überhängenden Spitzen, der starre Blick sowie der strenge Ausdruck, generell byzantinischen Typen. Das kräftige Modellieren der Gesichter mit olivgrünen Schatten, Weißhöhungen und roten Wangenflecken zeigt große Ähnlichkeit mit der Darstellung byzantinischer Heiliger.

Die Miniaturen beider Meister zeigen die für die romanische Buchmalerei charakteristische plastische Durchbildung von Körper und Gewand. Der Stoff ist nicht einfach eine steife Hülle, sondern ist so um die Figuren gelegt, dass Körperformen hervortreten. Entsprechend sind die Gewandfalten gestaltet, um das Körpervolumen zu betonen. In einigen Miniaturen ist de Draperie dermaßen stilisiert, dass sie einen graphisch-ornamentalen Eigenwert erhält, ganz unabhängig vom darunterliegenden Körper.

 

Romanische Buchstabenkunst auf höchstem Niveau

Alle 49 großen Zierinitialen sind mit strahlendem Gold geschrieben; sie sind schwungvoll mit farbigen Ranken gefüllt, viele von ihnen zusätzlich mit silbernen Tieren und Blüten geschmückt. Man entdeckt historisierte Initialen, deren Figuren ganz konkret den Text der Evangelienlesung illustrieren, andere, die den kirchlichen Festtag zum Thema haben, und solche Initialen, die ohne inhaltlichen Bezug einfach nur zur Zierde das Auge erfreuen.

 


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Das Passauer Evangelistar

Das Passauer Evangelistar

Das Passauer Evangelistar

Das Passauer Evangelistar

Das Passauer Evangelistar im Überblick

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 16002

Entstehungszeit: 1170–1180
Entstehungsort: Passau (St. Nikola)
Format: ca. 32,5 × 22,5 cm
Umfang: 88 Seiten (44 Blatt)
Inhalt: Festtagsevangelistar
Sprache: Latein


Provenienz: Das Passauer Evangelistar ist eine der ganz wenigen Handschriften aus der Passauer Buchmalerschule, die bis heute erhalten geblieben ist. Infolge der Säkularisation 1803 wurde das Passauer Evangelistar in die Münchener Hofbibliothek – die heutige Bayerische Staatsbibliothek – verbracht.


Die Faksimile-Edition des Passauer Evangelistars erscheint im Winter 2017/2018 im Quaternio Verlag Luzern.